5 Fragen an Pierre Godart, CFO ArianeGroup und CEO der ArianeGroup Deutschland

Porträts – Pioniere der Luft- und Raumfahrtindustrie sowie politische Entscheider geben persönliche Einblicke und ihre Einschätzung zu aktuellen Branchentrends.

1    Was sind Ihre Erwartungen an die ILA 2022 – Worauf freuen Sie sich am meisten?

Die ILA ist einer der wichtigsten Branchentreffpunkte für die Luft- und Raumfahrt in Europa. Sie ist immer ein Highlight und bietet hervorragende Gelegenheiten, sich auszutauschen und neue Mitglieder der Community kennenzulernen. Gerade nach dieser langen (Zwangs)Pause freue ich mich darauf, Kolleginnen und Kollegen wieder einmal persönlich zu treffen. Natürlich werden wir auch neue Produkte zeigen, wie Astris, eine optionale zusätzliche Oberstufe für die Ariane 6, Prometheus, ein wiederverwendbarer Triebwerksdemonstrator, der zum Teil im 3D-Druck-Verfahren produziert wurde, sowie das GeoTracker-System zur Überwachung des Weltraums – um nur einige unserer Neuentwicklungen zu nennen. 

2    Wie bringt die Luft- und Raumfahrt Industrie ein Mehrwert für unsere Gesellschaft Ihrer Meinung nach?

Die ArianeGroup sichert mit ihren Trägerraketen, dass Europas Zugang zum Weltall nicht abhängt von anderen Staaten. Erdbeobachtung, Navigationssysteme oder Telekommunikation wären ohne Trägerraketen nicht möglich. Mehr denn je ist der Blick aus dem All auf die Erde essentiell wichtig - um den weltweiten Informationsaustausch zu ermöglichen, Daten für die Analyse des Klimawandels zu liefern und zu helfen, Krisengebiete zu überwachen. Wie wichtig ein unabhängiger Zugang zum All für Europa ist, zeigte sich in den letzten Monaten besonders deutlich.

3    Welchen konkreten Beitrag leistet Ihr Unternehmen zu Nachhaltigkeit, Innovationen oder neuen Technologien?

Innovation ist Kern unserer Firmen-DNA. In vielen Bereichen wirken sich unsere innovativen Lösungen sehr positiv aus. Die Entwicklung von Triebwerken, die teilweise im 3D-Druckverfahren entstehen, verringert beispielsweise die Anzahl an Einzelteilen um ein Vielfaches, senkt die Kosten signifikant und verkürzt die Produktionszeit. Oberstufen aus Kohlefaser-Verbundstoff, nachhaltige Treibstoffe wie z.B. Wasserstoff sowie neue Prozesse, die maßgeblich zu einer Verkürzung der Integrationszyklen bei der Ariane 6 führen, sind weitere Beispiele.

4    Was ist die beste Entscheidung Ihrer beruflichen Laufbahn? Welchen Rat würden Sie der jüngeren Generation geben, wenn es darum geht, eine Karriere in der Luft- und Raumfahrt zu wählen? 

Raumfahrt ist Faszination. Raumfahrt ist Inspiration. Raumfahrt ist so breit gefächert, dass es eine Vielzahl von Perspektiven gibt. Sei es in der Forschung, in der Wissenschaft, in der Raumfahrt-Anwendung oder in der Entwicklung und im Bau von Trägerraketen, Raumschiffen oder Satelliten. ArianeGroup hat im vergangenen Jahr mit dem „Booster Award“ ein Mentoring-Programm gestartet, das sich speziell an Studentinnen aus dem MINT-Bereich richtet. Wir werden auf der ILA im Rahmen der Career Days am 25. Juni den 2. Booster Award „in die Umlaufbahn“ bringen und hoffen auf eine Vielzahl von interessanten und spannenden Bewerbungen. 

Grundsätzlich rate ich allen jungen Menschen: Folgt euren Träumen und greift nach den Sternen, aber achtet darauf, von einer soliden Basis aus zu starten. Meine Kolleginnen und Kollegen freuen sich darauf, am Career Day über interessante Ausbildungsmöglichkeiten in der Raumfahrt zu informieren.

5    Wenn Sie eine berühmte Persönlichkeit der Luft- und Raumfahrt treffen könnten – aus Gegenwart oder Vergangenheit: Wer wäre es und wieso?

Neil Armstrong. Der Aufbruch ins Ungewisse, das Risiko des Scheiterns vor Augen. Ich würde ihn gern fragen, wie es sich anfühlt, seinen Fuß auf die Mondoberfläche zu setzen
 

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