Die Megatrends der deutschen und europäischen Raumfahrt auf der ILA Berlin

„Space for Earth“ ist das Motto des Raumfahrt-Pavillons in Halle 6 auf der ILA Berlin.

Dr. Anna Christmann, Koordinatorin der Bundesregierung für die Deutsche Luft- und Raumfahrt umriss in ihrer Keynote zu den SPACE MEGATRENDS auf der ILA Space Day Conference am 23. Juni den großen Nutzen, den Raumfahrtprogramme der Menschheit seit Jahrzehnten bringen und warf einen Blick auf die Möglichkeiten für Deutschland und Europa, um bei anstehenden Projekten dabei zu sein. Diese Megatrends diskutierte im Anschluss ein hochrangig besetztes Panel weitgehend einvernehmlich.

„Space for Earth“ ist das Motto des Raumfahrt-Pavillons in Halle 6 auf der ILA Berlin. Auch in den Augen von Frau Dr. Christmann ist der Nutzen von Raumfahrtprogrammen für die Menschheit unbestritten, und sie nannte Wetterbeobachtung und Navigationssatelliten als allgegenwärtige Anwendungen. Gerade im Angesicht der Klimakrise helfe die Raumfahrt etwa mit dem Gravity Recovery and Climate Experiment GRACE, bei dem die Wasserverteilung auf der Erde bestimmt wird. Die fruchtbare Zusammenarbeit mit der Wirtschaft vor dem Hintergrund der Kommerzialisierung des Weltraums („New Space“) könne dank neuer und flexibler Akteure (etwa Startups mit Mikrolaunchern und Kleinsatelliten) Programme potentiell kostengünstiger gestalten. 

Der Staat als Auftraggeber

„Wir wollen Wettbewerbe gestalten, bei denen der Staat als Ankerkunde Nutzlastaufträge vergibt“, kündigte Christmann an. Zudem solle Nachhaltigkeit auch bei der Raumfahrt eine Rolle spielen und Weltraumschrott durch aktives De-Orbiting stärker vermieden werden. „Bei all dem wird technologische Souveränität zwar immer wichtiger, aber wir müssen auch nicht alles alleine machen. Europa muss durch signifikante Beiträge und enge Zusammenarbeit die Raumfahrt aktiv mitgestalten“, so Christmann.

Nicht den Anschluss verlieren

Exzellenz bewiesen laut dem Generaldirektor der europäischen Raumfahrtagentur ESA, Dr. Josef Aschbacher, Deutschland und Europa derzeit etwa mit dem genauesten Navigationssystem der Welt, Galileo, sowie bei der Erdbeobachtung mit Kopernikus. Europas dürfe aber vor dem Hintergrund steigender Budgets in den USA und China nicht den Anschluss verlieren. Dazu müssten klare Zielsetzungen definiert werden, ergänzte Walther Pelzer, DLR-Vorstandsmitglied und Leiter der Deutschen Raumfahrtagentur: „Der Nutzen des Programms muss im Vordergrund stehen – Unabhängigkeit kann ein Wert an sich sein, aber Europa hat kein Interesse, sich an einem neuen Space Race zu beteiligen, wie es sich zwischen den USA und China abzeichnet.“ 

Den großen Nutzen der Raumfahrt vermitteln

Laut SPD-MdB Sebastian Roloff nehme die Öffentlichkeit den Nutzen von Raumfahrtprogrammen noch nicht richtig wahr: „Sie muss wissen, was Raumfahrt tatsächlich leistet.“ Marco R. Fuchs, BDLI-Vizepräsident Raumfahrt und Vorstandsvorsitzender der OHB, ergänzte: „Klimawandel und Dekarbonisierung haben die großen Linien in der Raumfahrt unterstrichen. Aber andere europäische Länder wie Italien oder Frankreich machen heute schon mehr und investieren Krisenmittel – Deutschland darf nicht zurückfallen!“

Raumfahrt-KMU bei großen Programmen adäquat beteiligen

Den Beitrag kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) zu den Raumfahrtprogrammen unterstrich schließlich Sebastian Scheiding, CEO Astro- und Feinwerktechnik Adlershof GmbH: „Wir sind nicht klein: über 100 KMU mit zusammen 2000 Mitarbeitern repräsentieren 20 Prozent der deutschen Raumfahrtindustrie. Bei den großen Themen und Programmen sollten die KMU und ihre Zulieferer mit bedacht werden – idealerweise mit ebenfalls 20 Prozent.“ Große Volumina generiere neben dem Umweltmonitoring auch die Telekommunikation.

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