Antrieb für eine saubere Luftfahrt

Es kann schnell gehen, wenn alle mitmachen

Sieben Technikvorstände aus dem europäischen Luftfahrtsektor sind am 22. Juni im Rahmen des Aviation Future Lab auf der ILA Berlin zusammengekommen, um über die zukünftig saubere Luftfahrt zu diskutieren. Die EU-Initiative Clean Aviation ist dabei der führende Protagonist der nachhaltigen Luftfahrtforschung und -innovation auf dem Kontinent und setzt sich für die Luftverkehrsbedürfnisse der zunehmend mobilen und wachsenden Bevölkerung von morgen ein.

Im Panel vertreten waren Airbus Germany durch Vice President Research & Technology Nicole Dreyer-Langlet, Liebherr Aerospace Toulouse durch Managing Director Nathalie Duquesne, Rolls Royce durch Director Aerospace R&T Alan Newby, MTU Aero Engines durch COO Lars Wagner, Safran durch Senior Executive Vice President Eric Dalbiès, das Startup ZeroAvia durch Vice President Strategy James McMicking sowie das niederländische nationale Luft- und Raumfahrtlabor NLR durch seinen Generaldirektor Michel Peters.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde samt Einblick in das jeweilige spezielle Portfolio für nachhaltige Entwicklungen im Luftfahrtbereich skizzierten die Teilnehmer ihre geplanten Beiträge zum europäischen Programm Clean Aviation auf dem Weg zur klimaneutralen Fliegerei ab 2050. Diese reichten von allgemeiner Effizienzsteigerung, wie sie schon aus Wettbewerbsgründen seit Anbeginn zum Tagesgeschäft der internationalen Luftfahrt gehört, über hybrid-elektrische Antriebe und nachhaltige Treibstoffe bis hin zur Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie.

Es kann schnell gehen, wenn alle mitmachen

Alle Gesprächsteilnehmenden waren sich einig, dass die Herausforderung in erster Linie in der Geschwindigkeit liege, die zum rechtzeitigen Erreichen der politisch geforderten Klimaziele benötigt werde. Revolutionäre, disruptive Entwicklungen seien angesichts der großen Herausforderungen gefragt, schrittweise, evolutionäre Fortschritte reichten nicht mehr aus. Dabei dürften einzelne Subsysteme nicht im Vordergrund stehen – das Flugzeug müsse als Gesamtsystem betrachtet werden, in das der technische Fortschritt effizienter konstruierter Komponenten integriert werden solle. Die Triebwerkstechnologie könne dazu einen wesentlichen Beitrag leisten, sei aber nur ein Teilbereich. Auch neue Materialien und aerodynamische Erkenntnisse, die in den Bau der Flugzeugzelle einfließen, spielten eine wichtige Rolle. Vergessen werden dürfe auch nicht die Logistik der Kraftstoffversorgung und Skalierung der Herstellung nachhaltiger Treibstoffe als Brückentechnologie.

Zusammenarbeit und Wettbewerb

Als anspruchsvoll wurde von den Gesprächsteilnehmenden auch die Gratwanderung aus erforderlicher Zusammenarbeit bei gleichzeitiger Wettbewerbssituation betrachtet. Zu all dem biete die europäische Initiative Clean Aviation den Rahmen. Bereits für 2030 seien erste Zwischenschritte zu erwarten, und der Fahrplan erwarte bis dahin eine Steigerung der Energieeffizienz von Kurz- und Mittelstreckenflugzeugen um immerhin 30 Prozent. Die einhellige Meinung der sieben Fachleute dazu auf der ILA Berlin: „Das schaffen wir“.

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