5 Fragen an Prof. Dr. Anke Kaysser-Pyzalla, Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Porträts – Pioniere der Luft- und Raumfahrtindustrie sowie politische Entscheider geben persönliche Einblicke und ihre Einschätzung zu aktuellen Branchentrends.

1    Was sind Ihre Erwartungen an die ILA 2022 – Worauf freuen Sie sich am meisten?

Die Luft- und Raumfahrt stehen für die großen Chancen, die sich dem Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Deutschland bieten. Dabei ermöglicht uns die ILA mit ihrer hohen internationalen Ausstrahlung ideale Möglichkeiten für den wissenschaftlich-technischen Austausch mit unseren Partnern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft sowie die Intensivierung unserer internationalen Vernetzung.

2    Was kann Ihre Forschungseinrichtung tun, um das Ziel der Klimaneutralität in der Luft- und Raumfahrt zu beschleunigen? 

Die Luftfahrt erlebt gegenwärtig einen der intensivsten Transformationsprozesse ihrer Geschichte. An dessen Ende soll und wird ein zunehmend klimaverträglicher Luftverkehr stehen. Auf dem Weg dahin besteht ein erheblicher Forschungs- und Entwicklungsbedarf, der einer kontinuierlichen Förderung und Unterstützung bedarf.  Dank der Kompetenzen und der Fähigkeiten von mehr als 25 für die Luftfahrt forschenden DLR-Instituten und -Einrichtungen sowie einer einzigartigen Forschungs-infrastruktur kann das DLR das gesamte Lufttransportsystem betrachten, analysieren und verstehen. Damit sehen wir uns als Architekt und Integrator in der Luftfahrtforschung im zivilen und militärischen Bereich, bis hin zu unbemannten Luftfahrtsystemen. Mit seiner neuen Luftfahrtstrategie verfolgt das DLR die Vision einer emissionsfreien Luftfahrt.

3    Aus Ihrer persönlichen Sicht, wie schafft es die Branche einen Mehrwert für die Wirtschaft / unsere Gesellschaft zu schaffen?

Die Luftfahrt ist ein fester Bestandteil unseres gesellschaftlichen Lebens und unserer globalen Mobilität. Sie trägt zum Austausch der Kulturen bei, fördert den Warenaustausch und unseren Wohlstand. 

4    Wenn Sie eine berühmte Persönlichkeit der Luft- und Raumfahrt treffen könnten – aus Gegenwart oder Vergangenheit: Wer wäre es und wieso?

Eine oder mehrere Personen zu benennen, fällt mir sehr schwer. Weder Lilienthal noch Gagarin ging es darum, berühmt zu sein. Sie wollten, jeder auf seine Art, den Menschen neue Horizonte eröffnen – sich in die Luft erheben, in den Weltraum vorstoßen. In der Vergangenheit wie auch in der Gegenwart gab und gibt es eine Vielzahl von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, von Ingenieurinnen und Ingenieuren, die Tag für Tag unser Wissen erweitern. 

5    Welchen konkreten Beitrag leistet Ihre Forschungsorganisation zu Nachhaltigkeit, Innovationen oder neuen Technologien?

Gegenwärtig stehen wir vor zwei großen Herausforderungen: wir müssen die aktuellen Flugzeuge weiter verbessern, deren Effizienz steigern. Es gilt aber auch, den Weg für neue Technologien und damit für neue Produkte zu ebnen. „Zero Emission Aviation“: zukünftig muss der gesamte Lebenszyklus eines Flugzeuges einbezogen werden, von der Materialentstehung über die Entwicklung, Produktion, Betrieb und MRO bis zur Außerdienststellung. Auch müssen Flugzeuge und ihre Antriebe noch energieeffizienter gestaltet werden, unter anderem durch neue Flugzeugkonfigurationen, neue Leichtbauprinzipien und Systemarchitekturen. Ebenso werden neue Energieträger eine wichtige Rolle spielen. Eine weitere aussichtsreiche Möglichkeit die Auswirkungen der Luftfahrt auf das Klima zu reduzieren, ist das Fliegen auf klimafreundlichen Flugrouten. 
 

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